Mythen aus der Welt der Nassrasur: Klappe die Zweite! Lesen Sie die Fortsetzung

In unserem ersten Beitrag haben wir uns schon einige Mythen, Vorurteile und sogar ein vermeintliches Zusammenspiel zwischen kosmischer Strahlung und der Rasierklingenschärfe angesehen. In diesem zweiten Teil legen wir drei weitere Mythen unter das symbolische Mikroskop: entstanden sind Erzählungen von übermütigen deutschen TV-Helden, argwöhnische Markenverkettungen auf der globalen Weltbühne der Konzerne und ein zweifelhaftes Kosmetikverfahren, dass besser ausreichend Sicherheitsabstand zur traditionellen, erhabenen Nassrasur hält.

 

Mythos #4: Viele große Marken empfehlen System- und Elektrorasierer

 

Keine große Überraschung, denn eben viele solcher Kosmetik-Hersteller stehen in irgendeiner Verbindung zu den Herstellern von eben solchen Systemrasierern und ihren Klingen – beispielsweise als Tochter im Konzerngewölbe. Und weil sich doch immer noch so viele Menschen auf ihre besten Freunde, zum Beispiel den Konzern von nebenan, verlassen möchten, halten sich deren Absatzzahlen auch wunderbar stabil.

 

Die Klingen dieser Systemrasierer sind es übrigens, wo das wirkliche Geld liegt – natürlich immer so konzipiert, dass sie nur in diesen einen Rasierer von dem jeweiligen Hersteller passen. Zehnmal in Plastik eingeschweißt und umpackt, manifestieren sie sich im heimischen Bad als ständiges Mahnmal, dass der nächste kostspielige Multi-Klingen-Rasenmäher-Kauf (und der separater, passender Klingen), schon bald wieder ansteht.

 

Unsere Empfehlung: andere Väter haben schöne Töchter und andere Hersteller haben schöne Klingen – sogar ohne Plastik, ohne modellgebundene Formen und vielleicht ohne Empfehlung von großen Konzernen, dafür von Manufakturen, Rasurenthusiasten und Ihrem Barbier des Vertrauens. Wer noch mehr über die Verkettung zwischen Kosmetika- und Systemrasiererherstellern erfahren möchte, dem sei nahegelegt sich zu informieren, welche Konzerne diese Marken ummanteln – und welche anderen Hersteller da im Schulterschluss mit denen stehen.

 

Mythos #5: Echte Männer rasieren sich mit einem Skalpell!

 

Elektrorasierer und Systemrasierer sind keine geeignete Wahl für Männer mit Anspruch? Okay, dem können wir zustimmen. Aber auch Rasiermesser und -hobel „tun“ es einfach nicht, denn der echte Mann, der, bei dem das Testosteron schon aus dem Zahnfleisch tropft, der rasiert sich stattdessen mit einem Skalpell?

 

Auf diese Idee kam man beim ARD, genauer gesagt im Münster-Tatort aus dem Jahr 2019. Schauspieler Jan Josef Liefers war es, der sich als kauziger Professor einerseits und eben geballtes Mannesbild andererseits, kurzerhand mit dem Skalpell die eigenen Bartkonturen perfektionierte – hat sogar geklappt! Eigentlich nicht so überraschend, denn rasieren können sich Männer letztlich mit allem, was irgendwie scharf ist. Schweizer Taschenmesser? Funktioniert! Eine Glasserbe? Womöglich!

 

Empfehlenswert ist natürlich nichts davon, völlig egal ob Glas oder feingeschliffener, aber zweckentfremdeter Stahl. Wer eine meisterliche, schonende Rasur wünscht, der greift zum Rasierhobel oder -messer – das ist Fakt! Anders übrigens Liefers‘ „Partner in Crime“, der Tatort-Kommissar, gespielt von Axel Prahl, dem der Bart in der gleichen „Skalpell-Szene“ einfach nach einmal Abwaschen mit kaltem Wasser komplett aus dem Gesicht rutschte – so völlig ohne Klinge.

 

Mythos #6 – Echte Schönheiten rasieren sich mit dem Skalpell das ganze Gesicht – und nennen es Dermaplaning!

 

Kennen Sie das? Wenn mal wieder die nächste Rasur (mit dem Skalpell) ansteht und Sie sich Schritt für Schritt von kurz unter dem Haaransatz, über die Nase bis hin zum Kinn vorarbeiten? Wir glücklicherweise auch nicht. Andere dafür umso besser, das Verfahren heißt nämlich „Dermaplaning“ und hat sich vor allem in asiatischen Ländern zum Beautytrend entwickelt.

 

Dermaplaning funktioniert so: ein scharfes Skalpell (mittlerweile gibt es extra dafür konzipierte Instrumente von bekannten Marken) wird immer und immer wieder über das Gesicht, zum Beispiel die Nase oder die Nasenflügel, geschabt, um damit sukzessive Hautschuppen, Mitesser, Talg und feinste Härchen abzutragen. Das Ganze soll offensichtlich wie ein höchst mechanisches Peeling funktionieren, außerdem ist das für alle mit empfindlicher, unreiner und zu Akne-neigender Haut die schnellste Möglichkeit, um die eigenen Probleme noch zu verschlimmern – und wenn es nach zwanzig-, dreißigmal schaben immer noch nicht brennt? Dann sollten Sie zur Sicherheit überprüfen, ob Sie noch am Leben sind.

 

Weil Dermaplaning so interessant ist und so viele schöne Effekte haben soll, schauten Wissenschaftler und Ärzte des Fachjournals Aesthetic Plastic Surgery (2011 Dec.) genauer hin: eine wissenschaftliche Grundlage für die vollmundigen Versprechen ließ sich nicht identifizieren, tatsächlich fanden die Wissenschaftler überhaupt keinen Effekt, der einem wissenschaftlichen Prüfverfahren standhalten sollte. Der Popularität hat das übrigens keinen Abbruch getan: heute wird auch in der westlichen Welt eifrig geschabt.

 

Wir bei Barber-Tools bevorzugen stattdessen eine schonende Rasur: beim Rasiermesser und hobel tut’s nämlich im Regelfall schon ein Zug!

 

Ihr Oliver Funke von Barber-Tools