Mythen der Nassrasur: Was steckt hinter den scharfen Fabeln und Sagen?

Manch einer verwünscht die klassische Nassrasur heute noch: aus den fantasievollsten Gründen, viel häufiger aber aus Angst. Vor Schnittverletzungen, die weniger mit der Realität und mehr mit dem letzten cineastischen Ausflug von Freddy Krüger ins Reich der Albträume zu tun haben. Dabei stellen wir selbst immer wieder fest: wer einmal Rasierhobel oder Rasiermesser ausprobiert, der findet keinen Weg mehr zurück zum System- oder Elektrorasierer – und warum auch? Die klassischen Nassrasurinstrumente machen, sagen wir es wie es ist, einfach alles besser.

 

Wir schauen uns in diesem Teil drei Mythen an, die der Nassrasur (und ihrem Gegenstück) völlig fälschlicherweise zugeschrieben werden – nicht nur im Negativen, sondern auch im Positiven. Für mehr Transparenz unter dem Rasierschaum!

 

Mythos #1: Systemrasierer schonen die Haut, mit Rasiermesser oder -hobel sucht man die Gefahr?

 

Stimmt gar nicht! Frauen wie Männer sind sich trotzdem oft genug besonders sicher: mit so einer scharfen, offenen Klinge, sind die nächste Verletzung und der Ritt ins Krankenhaus nicht weit entfernt. Aber nochmal: das stimmt nicht!

 

Systemrasierer sind zuerst einmal überhaupt nicht schonender. Wie auch? Einige davon haben Jahrzehnte auf dem Buckel und ihre Hersteller empfehlen immer noch, sie mit möglichst langen Zügen anzuwenden. Kein Wunder, denn so viele Klingen wie die heutigen Hyper-9000 und Tripple-Quadrupel-Galaxie-420 Systemrasierer aufeinanderstapeln, entspricht jede Rasur irgendwie auch gleich 20 Rasurgängen. Das kann eigentlich nicht nur nicht schonend sein, es ist es auch einfach nicht ideal.

 

Wer sich stattdessen mit Rasiermesser oder Rasierhobel rasiert, statt mit einem transformierten Mehrklingen-Rasenmäher für’s Gesicht, der rasiert eng auf der Haut – und nach einem Zug, wenn er richtig angesetzt wurde, ist auch gleich alles weg. Ein zweites Mal gehen Sie bei Bedarf rüber, um sogar den letzten hartnäckigen Stoppel zu erwischen – das war es dann auch schon!

 

Übrigens: im Englischen heißen solche klassischen Rasurwerkzeuge „Safety Razor“ – und das nicht ohne Grund. Außer bei grobem Missbrauch, ist eine Verletzung eigentlich fast undenkbar – sie sind eben „safe“. Die meisten Schnittverletzungen bei einem Rasierhobel entstehen übrigens nicht, weil die Klinge zu scharf ist, sondern weil sie aus Geiz nicht oft genug ersetzt wird – und man sich versucht mit halbstumpfer Klinge irgendwie durch den Gesichtsurwald zu kämpfen.

 

Kleiner Tipp von uns am Rande: das Eigengewicht des Rasierers reicht für eine schonende Rasur völlig aus. Sie müssen (und sollen) ihn gar nicht mit Gewalt gegen das Gesicht pressen, wie das vielleicht beim Systemrasierer unabdingbar ist, damit sich alle 45 Klingen in den richtigen Winkel stellen.

 

Mythos #2: In der Achsel und im Intimbereich funktionieren klassische Rasurinstrumente gar nicht!

 

Wieder ein Mythos, der mit der Wahrheit nichts zu tun hat. Natürlich funktioniert ein Rasierhobel auch im Intimbereich oder in den Achseln. Wer das nicht glaubt, braucht nur kurz einen Blick nach YouTube oder in den #zerowaste beziehungsweise #safetyrazor Hashtag bei Instagram werfen: Überraschung, allerlei Frauen und Männern scheint das wunderbar zu gelingen!

 

Tatsächlich übrigens noch besser als mit halbstumpfen Einwegrasierern, die sich in den kleinen Hautfältchen sehr schnell verfangen und dann zu schmerzhaften Schnitten führen. Trotzdem sei hier gesagt: verwenden Sie für den Intim- und Achselbereich eher einen Rasierhobel als ein -messer! Und sparen Sie nicht an Rasierseife!

 

Mythos #3: Neue Rasierklingen kaufen ist Geldverschwendung, wir benutzen Pyramidenenergie!

 

Pyramiden…was? Im Gegensatz zu unseren ersten beiden Mythen ist die Rasierklingen-Pyramidenenergie tatsächlich nicht weitläufig bekannt – was wohl auch besser so ist. Wir möchten trotzdem genauer hinschauen, was sich dahinter versteckt.

 

Also: nach einer esoterischen Lehre brechen Pyramiden „kosmische Strahlung“ sehr, sehr effektiv. Wir möchten an dieser Stelle gar nicht weiter auf Frequenzspektren und Mumien eingehen, nur so viel sei gesagt: im Jahr 1959 hat ein Karel Drbal in der heutigen Tschechischen Republik ein Patent (erfolgreich!) angemeldet, mit dem er stumpfe Rasierklingen dank Pyramidenenergie wieder scharf machen wollte.

 

Das sah vor, dass die benutzten, stumpfen Rasierklingen in einen pyramidenförmigen Pappkarton gestapelt und da für einige Zeit gelagert werden, bis sie dann, wie von Geisterhand (oder eben kosmischer Strahlung) wieder scharf waren. Müssen wir es hier ganz deutlich sagen? Es hat nicht geklappt.

 

Zugegeben: es ist fast unvermeidbar, dass so traditionelle, weitverbreitete Instrumente wie Rasiermesser und -hobel beziehungsweise dazugehörige Klingen die eine oder andere Legende hinter sich scharen. Trotzdem sollten wir uns nicht von Mythen und gesäter Angst leiten lassen.

 

Wir hören es immer wieder von unseren Barber-Tools-Kunden, Freunden und Salon-Gästen: sobald die Angst vor der scharfen Klinge weg ist, also nach der ersten oder zweiten Rasur, ist eine Rückkehr zu klobigen Systemrasierern, die wie in Plastik gerahmter Hohn auf der Badanrichte thronen, unvorstellbar. Unser Rat daher, der in diesem fordernden Jahr sowieso nicht fehl am Platz ist: Mut haben! Für Neues, Bewährtes und nicht zuletzt Hochwertiges!

 

Ihr Oliver Funker von Barber Tools